Seilkonservierung - Instandhaltung von Seilen

Pilotphase „automatische Seilnachschmierung im laufenden Betrieb“ fast beendet – Markteinführung erwartet.

Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit befindet sich der sogenannte Tropföler der IFT (Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart) im Testbetrieb. Der Automat revolutioniert die bestehende Nachkonservierung bei Seilbahnen.

ELASKON entwickelte für diese Innovation das passende Seilnachkonservierungsmittel.

Die Pilotphase wird nun mit Erfolg abgeschlossen, bereits im Jahr 2016 soll die Komplettlösung auf den Markt kommen.

Der Wunsch nach Verlängerung der Lebens- und Betriebsdauer von Technik und Bauteilen ist ein wichtiger Aspekt bei der Forschung und Entwicklung. So ist es unser Anliegen, bei allen Produktanpassungen und Neuentwicklungen ganz eng an der Praxis und somit am Kunden zu bleiben. Für uns hat es sich bewährt, neben engen Kooperationen mit verschiedenen Institutionen und Forschungseinrichtungen einen engen Dialog mit unseren Kunden zu führen.

Dass die Nachschmierung von Bauteilen zur Verlängerung der Laufzeit beiträgt, ist vielfach untersucht, nachgewiesen und bspw. bei Möller und Nassar auch nachzulesen (Schmierstoffe im Betrieb, 2.Auflage, Springer Verlag).

Auf lediglich ein Fünftel kann die Lebenszeit eines Drahtseiles verkürzt sein, wenn es nicht fachgerecht geschmiert wird. Zwar werden die Produktionsverfahren und die eingesetzten Schmiermittel immer besser, aber dennoch ist davon auszugehen, dass je nach Einsatzbereich diese Grundschmierung nicht dauerhaft schützt. Der OITAF Studienausschuss Nr.II beschäftigt sich im Heft 28 mit diesem Verlust der Grundschmierung durch dauerhafte oder wiederholter Pressung, wie sie zum Beispiel bei wiederholtem Lauf über Scheiben entsteht und empfiehlt eine jährliche Nachschmierung bei Seilbahnen (Allgemeine Empfehlungen zur Grund- und Nachschmierung von Stahldrahtseilen für Seilbahnanwendungen mit Personentransport, Heft 28, Rom, 2013).  Ist die Berechnungsgrundlage bei der Bemessung der Grundschmierung im Produktionsprozess die Oberflächensumme der verwendeten Litzen, ist sie für die Nachschmierung die Oberfläche des Gesamtseiles.

Dass die Bemessung der richtigen Schmiermittelmengen komplex ist, zeigt nachfolgende Berechnung am Beispiel eines Zugseils der Machart Seale mit 6 Litzen, 30mm Durchmesser und 1000m Länge (Quelle: IFT).

- Fläche des Hüllzylinders mit Nenndurchmesser 30mm und 1000m Länge:

 tl_files/Seilschmierstoffe/flaeche-huellzylinder.JPG

- Oberfläche des (sichtbaren) Seilumfangs (wichtige Größe beim Nachschmieren), 30mm 6x19 Seale mit 1000m Länge:

 tl_files/Seilschmierstoffe/oberflaeche-seilumfang.JPG

- Oberfläche aller Drähte des Seils (wichtige Größe bei der Grundschmierung) 30mm 6x19 Seale mit 1000m Länge:

 tl_files/Seilschmierstoffe/oberflaeche-draehte.JPG

Neben diesen „offensichtlichen“ Kriterien, spielen bei der Festlegung des präzisen Bedarfs weitere Rahmenbedingungen eine Rolle, die schwer mathematisch zu erfassen und nicht einfach im Gesamtzusammenhang zu gewichten sind.

Das sind beispielsweise der Einsatzort des Seiles selbst, Rolleneinlagen, Klemmen oder der Reibwert am Antrieb.

Darüber hinaus beeinflussen auch praktische Aspekte die Nachschmierung. Da geht es u.a. um Sichtbarkeit der Teile, um Zugänglichkeit oder Verschmutzung durch externe Einflüsse.

Weiterhin ist nach Festlegung der richtigen Dosierung bei der Produktwahl auch auf die Kompatibilität mit dem Grundschmiermittel zu achten.

Optimaler Schutz vor Korrosion und weitgehendste Minderung des Verschleißes sind also nur möglich, wenn das richtige Nachkonservierungsmittel in einer exakten und gleichmäßigen Menge und zur idealen Zeit auf das Seil aufgebracht wird.

Da die Nachschmierung manuell durchgeführt wird, kann dies bei der gleichmäßigen Dosierung auf der gesamten Seillänge ein Problem sein.  Der Einsatz von lösemittelhaltigen Schmiermitteln bedarf zudem einer gewissen Einwirkzeit, so dass der gesamte Prozess  bei Betriebsstillstand durchgeführt werden muss, was  für die Betreiber nicht nur planungstechnisch eine Belastung sein kann.

Aufgrund des Aufwandes verzichten manche Betreiber sogar gänzlich auf eine  Nachschmierung.

Der Wunsch, den Kunden eine zuverlässige, effektive und zugleich unkomplizierte Methode bieten zu können, wurde immer wieder thematisiert.  Dabei wurde klar, dass es  nicht nur um die Entwicklung geeigneter Nachschmiertechnik gehen sollte, sondern gleichzeitig auch um die Entwicklung alternativer Produkte, um mögliche Einwirkzeiten zu umgehen.

Dipl.-Ing. Konstantin Kühner beschreibt seine Überlegungen aus Sicht der IFT dabei wie folgt: „Wenn wir mit einem reinen Öl, dass keine aggressiven Lösungsmittel enthält, und von sich aus schon kriechfähig ist, sehr wenig, aber dafür immer kontinuierlich schmieren würden, dann hätte das Seil Zeit, dieses Öl aufzunehmen und würde einen laufenden Schmierprozess erfahren. Außerdem würden die gefürchteten Nebeneffekte wie zum Beispiel das Rutschen der Klemmen, die Zersetzung des Rollenfutters, das Abtropfen auf Skianzüge der Gäste oder andere Verschmutzungen erst gar nicht entstehen, weil die aufgebrachte Ölmenge optimal abgestimmt und sehr gering wäre.“

Diesen ersten Vorstellungen folgend, ließ das Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart (IFT) im Rahmen einer studentischen Vorarbeit einen speziellen Nachschmierautomaten entwickeln. Dieser Tropföler sollte flexibel an die jeweiligen Betriebsbedingungen der Anlage anpassbar sein und die richtige Ölmenge automatisch und kontinuierlich auf das Seil aufbringen.

Zahlreiche Interviews und Erhebungen bei Seilbahnbetreibern wurden hierzu ausgewertet und der Lösungsansatz zur gleichmäßigen und optimierten Nachschmierung in einer Bachelorarbeit 2013 von der IFT präsentiert.  

Es dauerte noch eine Zeit, bis schließlich auf dem OITAF-Seminar „Instandhaltung von Seilbahnen“ im April 2014 in Grenoble der Grundstein für die gemeinsame Weiterentwicklung von der IFT der Universität Stuttgart und ELASKON gelegt werden konnte. ELASKON sollte dabei das optimale Schmiermittel entwickeln.

In unserem Forschungs- und Entwicklungslabor konnten wir in enger Zusammenarbeit mit der IFT und ausgesuchten Praxispartnern das passende Produkt, unser ELASKON NK-A, entwickeln.

Mit diesem Produkt ist es uns gelungen, unseren Kunden nun ein Seilnachkonservierungsmittel anbieten zu können, das über ein ausgezeichnetes Haft- und Kriechvermögen verfügt. Durch seine ausgewogene Additivkombination werden die Alterungsbeständigkeit, das Druckaufnahmevermögen und die Korrosionsschutzeigenschaften des Seiles wesentlich verbessert. Weiterhin ist das neue Nachschmiermittel niedrigviskos eingestellt und beugt durch seine sehr helle Farbgebung etwaigen Verschmutzungen vor.

In Kombination mit dem Tropföler der IFT haben wir eine Komplettlösung entwickelt, die den speziellen Bedürfnissen der Seilbahnbetreiber entspricht.

Seit Mai 2014 sind mehrere Prototypen des Automaten im Einsatz.

Auch Markus Liebscher, Betriebsleiter der kuppelbaren 15er-Kabinenbahn bei der Kreuzeckbahn der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG zieht ein positives Fazit: „Bei der Frage der Seil-Nachschmierung scheiden sich ja die Geister, aber im Hinblick auf einer möglichen Verlängerung der Lebensdauer der Seile ist es uns einen Versuch wert. Mittlerweile setzen wir den Apparat auch bei der Alpspitzbahn und der Wankbahn ein. Mit dem Tropföler ist die Nachschmierung sehr einfach und unkompliziert.“

Gemeinsam mit der IFT plant ELASKON nach erfolgreich abgeschlossener Pilotphase die Markteinführung im laufenden Jahr 2016.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren wollen oder an unserer Komplettlösung interessiert sind, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

(E-Mails bitte an export@elaskon.de)